Glossar

Fachbegriffe rund um Rechenzentrums-Grundstücke

Von Colocation bis Umspannwerk: 17 Begriffe, die Sie in Gesprächen mit Betreibern, Netzbetreibern und Behörden kennen sollten – verständlich erklärt.

A

Abwärmenutzung

Verwertung der von Servern erzeugten Wärme, etwa zur Einspeisung in Fernwärmenetze oder zur Beheizung benachbarter Gebäude. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von neuen Rechenzentren Abwärmenutzungskonzepte; Flächen in der Nähe von Wärmeabnehmern erhalten im DC-Readiness-Score Pluspunkte.

Verwandt:PUE
B

Bebauungsplan (B-Plan)

Verbindlicher kommunaler Bauleitplan, der Art und Maß der baulichen Nutzung festlegt. Rechenzentren sind in Industriegebieten (GI), Gewerbegebieten (GE) oder Sondergebieten (SO) zulässig. Ein rechtskräftiger B-Plan mit passender Festsetzung spart Jahre Planungszeit und steigert den Grundstückswert deutlich.

C

Colocation

Rechenzentrums-Modell, bei dem ein Betreiber Fläche, Strom und Kühlung bereitstellt und mehrere Kunden ihre eigene IT-Hardware einmieten. Typische Projekte liegen zwischen 10 und 50 MW auf 3 bis 15 Hektar. Bekannte Anbieter in Deutschland sind Equinix, Digital Realty, NTT und Maincubes.

D

DC-Readiness-Score

Bewertungsverfahren von DCreal, das die Eignung eines Grundstücks für ein Rechenzentrum anhand von sieben gewichteten Faktoren (Strom 35 %, Fläche 18 %, Baurecht 13 %, Glasfaser 10 %, Lage 9 %, Risiken 8 %, Abwärme 7 %) auf einer Skala von 0 bis 100 einordnet. K.O.-Kriterien wie Überschwemmungsgebiete oder Flächen unter 1 Hektar führen unabhängig von der Punktzahl zur Ampel Rot.

DE-CIX

Der weltweit größte Internetknoten (Internet Exchange Point) mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Nähe zu Internetknoten und Glasfaser-Backbones senkt Latenzzeiten und ist ein Grund, warum der Raum Frankfurt der wichtigste Rechenzentrumsmarkt Kontinentaleuropas ist.

E

Edge-Rechenzentrum

Kleines, dezentrales Rechenzentrum (0,5 bis 10 MW) nahe am Endnutzer, das Latenzzeiten minimiert. Edge-Standorte sind bereits ab 1 Hektar realisierbar und damit die Einstiegsklasse für rechenzentrumstaugliche Flächen.

Verwandt:Colocation

Erbbaurecht

Recht, auf einem fremden Grundstück ein Bauwerk zu errichten und zu nutzen – gegen einen regelmäßigen Erbbauzins, typischerweise über 50 bis 99 Jahre. Für Eigentümer eine Alternative zum Verkauf: Das Grundstück bleibt im Familienbesitz, während ein Rechenzentrumsbetreiber langfristige Einnahmen sichert.

G

Glasfaser-Backbone

Hochleistungs-Glasfasertrassen, die Städte, Internetknoten und Rechenzentren verbinden. Für ein Rechenzentrum sind mindestens zwei unabhängige (redundante) Glasfaseranbindungen Standard. Die Distanz zum nächsten Backbone fließt mit 10 % Gewicht in den DC-Readiness-Score ein.

Verwandt:DE-CIX
H

Hyperscale

Rechenzentrums-Kategorie der größten Betreiber (z. B. AWS, Microsoft, Google) mit Anschlussleistungen ab etwa 100 MW und Flächenbedarf ab rund 80 Hektar. Hyperscale-Campusse werden in Bauabschnitten über viele Jahre entwickelt und benötigen in der Regel einen Höchstspannungsanschluss (220/380 kV).

I

IT-Last (MW)

Die elektrische Leistung in Megawatt, die ein Rechenzentrum für die eigentliche IT-Hardware (Server, Speicher, Netzwerk) bereitstellt – ohne Kühlung und Infrastruktur. Sie ist die zentrale Kenngröße bei Flächen- und Netzanschlussplanung.

K

Konversionsfläche

Ehemals militärisch, industriell oder energiewirtschaftlich genutzte Fläche, die einer neuen Nutzung zugeführt wird. Ehemalige Kraftwerks- und Industrieareale verfügen häufig über dimensionierte Bestands-Netzanschlüsse und gehören deshalb zu den gefragtesten Flächen für Rechenzentren.

N

Netzanschlussbegehren

Formeller Antrag beim Netzbetreiber auf Anschluss einer Verbrauchsanlage an das Stromnetz. Bei Übertragungsnetzbetreibern fallen Bearbeitungspauschalen von rund 50.000 € plus Kautionen von etwa 1.500 € je beantragtem Megawatt an. Die Bearbeitungszeit ist heute der größte Engpass bei Rechenzentrumsprojekten.

Netzanschlusskapazität

Die an einem Netzknoten noch verfügbare elektrische Leistung (in MW), die für neue Verbraucher wie Rechenzentren reserviert werden kann. In Ballungsräumen wie Frankfurt sind viele Umspannwerke ausgereizt; Flächen mit freier oder bereits reservierter Kapazität sind daher besonders wertvoll.

O

Off-Market

Vermarktung einer Immobilie ohne öffentliche Anzeige, Portal-Eintrag oder Schild. DCreal arbeitet ausschließlich off-market: Flächen werden anonymisiert und unter Vertraulichkeitsvereinbarung an vorqualifizierte Betreiber, Entwickler und Investoren herangetragen.

Verwandt:Erbbaurecht
P

PUE (Power Usage Effectiveness)

Kennzahl für die Energieeffizienz eines Rechenzentrums: Gesamtstromverbrauch geteilt durch IT-Stromverbrauch. Ein PUE von 1,2 bedeutet 20 % Mehrverbrauch für Kühlung und Infrastruktur. Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schreibt für Neubauten ab 2026 einen PUE von höchstens 1,2 vor.

S

Spannungsebene

Einteilung des Stromnetzes nach Betriebsspannung: Höchstspannung (220/380 kV, Übertragungsnetz), Hochspannung (110 kV, Verteilnetz), Mittel- und Niederspannung. Colocation-Projekte bis etwa 50 MW kommen mit 110 kV aus; Hyperscale-Campusse benötigen 220 oder 380 kV.

Verwandt:Umspannwerk
U

Umspannwerk

Anlage im Stromnetz, in der elektrische Energie zwischen Spannungsebenen (z. B. 380 kV auf 110 kV) transformiert wird. Die Entfernung zum nächsten Umspannwerk ist der wichtigste Werttreiber für Rechenzentrums-Grundstücke: Unter 1 km Luftlinie gilt als Bestnote, ab 10 km wird ein Anschluss meist unwirtschaftlich.

Fachbegriffe kennen ist gut – die eigene Fläche einordnen ist besser.

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